Bila­te­ra­le Kera­ti­tis herpetica

Review präsentiert Risikofaktoren, Korrelationen und Therapieoptionen

1. September 2022

VOLOS (Bier­mann) – Eine gleich­zei­ti­ge bila­te­ra­le herpe­ti­sche Kera­ti­tis (HSK) bezeich­net eine selte­ne klini­sche Mani­fes­ta­ti­on einer primä­ren okulä­ren Infek­ti­on oder eine Reak­ti­vie­rung des Herpes-simplex-Virus (HSV). Diese betrifft oftmals Perso­nen mit geschwäch­tem Immun­sys­tem und tritt vermehrt in Entwick­lungs­län­dern unter schlech­ten hygie­ni­schen Bedin­gun­gen auf.

Die Autoren eines aktu­el­len Reviews haben nun eine Lite­ra­tur­re­cher­che in Pubmed und Google Scho­l­ar (ab dem Jahr 2000) durch­ge­führt und 49 Arti­kel selek­tiert, um den aktu­el­len Wissens­stand bei dieser Befund­kon­stel­la­ti­on zu beleuchten.

Die in der Lite­ra­tur berich­te­te Inzi­denz der bila­te­ra­len HSK vari­ier­te in Abhän­gig­keit von den Diagno­se­kri­te­ri­en zwischen 1,3% und 12%. Höhere Inzi­denz- und Rezi­div­ra­ten wurden bei Kindern gefun­den (26%), bei denen zusätz­lich aufgrund von Fehl­dia­gno­sen und verspä­te­ter Diagno­se­stel­lung die Gefahr einer Ambly­o­pie durch Horn­haut­nar­ben bestand.

Als weite­re Risi­ko­fak­to­ren für eine bila­te­ra­le HSK eruier­te die Arbeits­grup­pe ein geschwäch­tes Immun­sys­tem (auch ange­bo­ren) und bei immun­kom­pe­ten­ten Pati­en­ten eine Resis­tenz auf die Thera­pie mit Aciclo­vir, die häufig zu bila­te­ra­len Rezi­di­ven führte.

Zusätz­lich wurde in der Lite­ra­tur bei u.a. folgen­den Bedin­gun­gen und Erkran­kun­gen über eine bila­te­ra­le HSK berich­tet: Auto­im­mun­erkran­kun­gen (v.a. die Rheu­ma­to­ide Arthri­tis mit Inzi­den­zen um 40% und keinem Anspre­chen auf eine Prophy­la­xe), HIV-Co-Infek­ti­on und AIDS (v.a. bei CD4+ <200 Zellen/µl), Lang­zeit-Immun­sup­pres­si­on nach Organ­trans­plan­ta­ti­on, Chemo­the­ra­pie oder Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on bei Mali­gno­men mit Inzi­den­zen um 13,3%, Thera­pie mit Corti­cos­te­ro­iden, mit Ritu­xi­mab (Anti-CD20-Anti­kör­per) oder mit Antig­lau­kom­a­to­sa, insbe­son­de­re Prosta­glan­din-Analo­ga, bei denen nach Abset­zen keine HSK-Rezi­di­ve mehr auftra­ten. Die Verfas­ser beton­ten jedoch hier­bei, die Diffe­ren­zi­al­dia­gno­se einer Horn­haut­to­xi­zi­tät durch Benzal­ko­ni­um­chlo­rid zu berücksichtigen.

Des Weite­ren stan­den folgen­de Fakto­ren mit einer Reak­ti­vie­rung des HSV in Verbin­dung: schnel­les Ausschlei­chen einer Corti­cos­te­ro­id-Thera­pie, Expo­si­ti­on ultra­vio­let­ter Strah­lung (wie bspw. beim Cross­lin­king bei einem Kera­to­ko­nus), okulä­re Trau­ma­ta (zufäl­lig oder chir­ur­gisch, einschließ­lich intra­vit­rea­le Injek­tio­nen mit Anti-VEGF) sowie eine Infek­ti­on mit SARS-CoV‑2 durch Erschöp­fen der CD8+-T-Zellen, die das HSV im Allge­mei­nen in einem laten­ten Zustand halten.

In Bezug auf die Thera­pie der HSK in der Lite­ra­tur konsta­tier­ten die Forschen­den, dass Viru­sta­ti­ka wie Aci‑, Ganci- oder Vala­ci­clo­vir bzw. Trif­lu­or­thy­mi­din lokal oder syste­misch die Virus­re­pli­ka­ti­on zwar redu­zie­ren, den Krank­heits­ver­lauf verkür­zen, den Schwe­re­grad verrin­gern und die Latenz aufrecht­erhal­ten, jedoch zu keiner dauer­haf­ten Heilung mit Rezi­div­frei­heit führen konn­ten. Die Behand­lung hing von der Art der Horn­haut­lä­sio­nen und dem Immun­sta­tus ab und wurde bei stroma­ler Betei­li­gung mit Corti­cos­te­ro­iden lang­sam ausschlei­chend kombiniert.

Als lang­fris­ti­ge Rezi­div-Prophy­la­xe – über einen Zeit­raum von >12 Mona­ten – wurden nied­rig dosier­te orale Viru­sta­ti­ka ± Ascor­bin­säu­re in mehre­ren Studi­en erfolg­reich einge­setzt. Neuere anti­vi­ra­le Substan­zen sind in der Entwick­lung, die insbe­son­de­re bei resis­ten­ten HSV-Vari­an­ten ordi­niert werden könn­ten, da sie auf verschie­de­ne Stadi­en im vira­len Lebens­zy­klus abzielen.

(tt)

Autoren: Chaloulis SK et al.
Korrespondenz: Konstantinos T Tsaousis; konstantinos.tsaousis@gmail.com
Studie: Incidence and Risk Factors of Bilateral Herpetic Keratitis: 2022 Update
Quelle: Trop Med Infect Dis 2022; Jun 7;7(6):92.
Web: dx.doi.org/10.3390/tropicalmed7060092

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