Bakte­ri­el­le Konta­mi­na­ti­on von Spaltlampen

Molekularbiologie weist Gattungen mit pathogenem Potenzial nach

29. November 2021

VILLINGEN-SCHWENNINGEN (Bier­mann) – Bislang wurde eine Konta­mi­na­ti­on der Spalt­lam­pen­ober­flä­che, insbe­son­de­re mit koagu­lase­ne­ga­ti­ven Staphy­lo­kok­ken, Mikro­kok­ken, Bacil­li und auch Staphy­lo­coc­cus aureus, auf der Grund­la­ge einer Kulti­vie­rung der Mikro­or­ga­nis­men nach­ge­wie­sen. Damit wurde nur ein Teil der vorhan­de­nen Mikro­flo­ra erfasste.

Die Autoren einer aktu­el­len Studie haben nun mithil­fe kulti­vie­rungs­un­ab­hän­gi­ger, mole­ku­lar­bio­lo­gi­scher Metho­den umfas­sen­de Einbli­cke in die Spalt­lam­pen-Bakte­ri­en­flo­ra und deren hygie­ni­sche Rele­vanz gewon­nen. Sie konn­ten zeigen, dass Spalt­lam­pen eine höchst viel­fäl­ti­ge, haut­ähn­li­che bakte­ri­el­le Mikro­bio­ta tragen. Die Forscher empfeh­len drin­gend eine gründ­li­che Reini­gung und Desin­fek­ti­on nach dem Gebrauch von Spalt­lam­pen, um Augen- und Haut­in­fek­tio­nen vorzubeugen.

Die Forscher führ­ten eine umfang­rei­che 16S-rRNA-Gense­quen­zie­rung zur Analy­se der Bakte­ri­en­stäm­me auf 46 Spalt­lam­pen in 2 Univer­si­täts­au­gen­kli­ni­ken an jeweils 2 Probe-Entnah­me­stel­len der Spalt­lam­pen durch.

Die Exper­ten ermit­tel­ten, dass 82 Proben – bei genü­gend auswert­ba­ren Sequen­zen – eine Konta­mi­na­ti­on mit Bakte­ri­en, die meist von mensch­li­cher Haut oder Schleim­haut stamm­ten bzw. wahr­schein­lich okulä­ren Ursprungs waren. Es handel­te sich über­wie­gend um Cuti­bak­te­ri­en, Staphy­lo­kok­ken und Corynebakterien.

Bei der taxo­no­mi­schen Zuord­nung von 3369 Ampli­kon-Sequenz­va­ri­an­ten (ASV) zeig­ten sich über alle Proben hinweg 19 Bakte­ri­en­stäm­me und 468 Bakte­ri­en­gat­tun­gen, zu denen Arten mit patho­ge­nem Poten­zi­al gehörten.

Zusätz­lich über­prüf­ten die Forschen­den alle Proben mittels qPCR auf Methi­cil­lin-resis­ten­ten Staphy­lo­coc­cus aureus (MRSA), und stell­ten keine Signa­le ober­halb der Nach­weis­gren­ze fest.

Die Autoren unter­strei­chen abschlie­ßend die Rele­vanz der Ergeb­nis­se, da regel­mä­ßig berühr­te Ober­flä­chen wie die Spalt­lam­pe, insbe­son­de­re bei Nutzung durch verschie­de­ne Perso­nen und hohem Pati­en­ten­durch­satz, eine Gefah­ren­quel­le für Infek­tio­nen darstellen.

In zukünf­ti­gen Studi­en soll­ten, so die Studi­en­grup­pe, zusätz­lich Viren, wie bspw. Adeno­vi­ren, unter­sucht werden, die neben den Bakte­ri­en zu den Haupt­aus­lö­sern infek­tiö­ser Augen­er­kran­kun­gen gehören.

(tt)

Autoren: Fritz B et al.
Korrespondenz: Markus Egert; markus.egert@hs-furtwangen.de
Studie: Comprehensive Compositional Analysis of the Slit Lamp Bacteriota
Quelle: Front Cell Infect Microbiol 2021; Nov 17;1159
Web: dx.doi.org/10.3389/fcimb.2021.745653

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