Augen im Welt­all

Schwerelosigkeit beeinflusst Länge des Nervus opticus

14. Juli 2020

UMEÅ (Bier­mann) – Das „space flight-asso­cia­ted neuro-ocular syndro­me“ (SANS) betrifft Astro­nau­tin­nen und Astro­nau­ten mit Aufent­hal­ten in der Inter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on (ISS). Zu den typi­schen Merk­ma­len eines SANS zählen Sehstö­run­gen und Augen­ver­än­de­run­gen. In einer im „Ophthal­mo­lo­gy“ veröf­fent­lich­ten Kohor­ten­stu­die vermu­ten schwe­di­sche Wissen­schaft­ler als Ursa­che für das Syndrom einen verän­der­ten Druck­un­ter­schied zwischen Auge und Gehirn.

In die Kohor­ten­stu­die einge­schlos­sen waren 22 Astro­nau­ten (Alter 48 ±4 Jahre). Vor und nach einer ISS-Missi­on wurden Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phi­en ange­fer­tigt. Die Wissen­schaft­ler beob­ach­te­ten bei den Astro­nau­ten nach einem Aufent­halt in der Schwe­re­lo­sig­keit eine Verlän­ge­rung des Sehnervs und eine ante­rio­re Bewe­gung des Sehner­ven­kop­fes. Die Längen­zu­nah­me des Sehnervs betrug 0,80 ±0,74 mm (p<0,001). Diese sei haupt­säch­lich auf die Verschie­bung des Sehner­ven­kop­fes nach vorne zurück­zu­füh­ren (0,63 ±0,53 mm, p<0,001), so die Autoren.

Die Vorwärts­ver­schie­bung hing posi­tiv mit der Missi­ons­dau­er, dem Körper­ge­wicht vor dem Flug und den klini­schen Mani­fes­ta­tio­nen eines SANS zusam­men. Außer­dem stell­ten die Wissen­schaft­ler eine Verschie­bung des Chias­ma opti­cum nach oben (0,39 ±0,50 mm, p=0,002) fest, was die Autoren als Hinweis auf eine Bewe­gung des Gehirns deuten. Diese Beob­ach­tung konnte jedoch nicht mit SANS in Verbin­dung gebracht werden.

Um den betei­lig­ten Mecha­nis­mus hinter den Augen­be­fun­den bei SANS zu über­prü­fen, müsse der intra­kra­ni­el­le Druck im Welt­raum direkt beur­teilt werden, bemer­ken die Studi­en­au­toren abschlie­ßend.

(isch)

Autoren: Wåhlin A et al.
Korrespondenz: Anders Eklund; anders.eklund@umu.se
Studie: Optic nerve length before and after spaceflight
Quelle: Ophthalmology 2020; Jul 10.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.07.007

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