Ambly­o­pie-Thera­pie

Effektivität einer Okklusionstherapie bei unbehandelten amblyopen Erwachsenen

7. Mai 2019

DEN HAAG (Bier­mann) — Aufgrund neuro­phy­sio­lo­gi­scher und klini­scher Studi­en zur Plas­ti­zi­tät des visu­el­len Systems Erwach­se­ner erscheint das bisher bestehen­de Alters­li­mit für eine Ambly­o­pie­t­he­ra­pie inzwi­schen zumin­dest diskus­si­ons­wür­dig. Aller­dings war bisher unge­klärt, welchen Effekt eine späte Ambly­o­pie­t­he­ra­pie bei Erwach­se­nen haben könnte.

In die folgen­de prospek­ti­ve Studie wurden insge­samt 24 Pati­en­ten einge­schlos­sen. Alle Pati­en­ten wurden zunächst ausführ­lich ophthal­mo­lo­gisch und orth­op­tisch unter­sucht. Bei Notwen­dig­keit einer Refrak­ti­ons­kor­rek­tur erfolg­te eine entspre­chen­de Versor­gung. Alle Pati­en­ten unter­zo­gen sich einer Okklu­si­ons­be­hand­lung für drei Stun­den pro Tag über einen Zeit­raum von 18 Wochen.

Das durch­schnitt­li­che Alter der einge­schlos­se­nen Pati­en­ten lag bei 32,4 Jahren. Der best­kor­ri­gier­te Visus betrug zu Beginn der Okklu­si­ons­the­ra­pie 0,35 logMAR und nach Okklu­si­ons­the­ra­pie 0,30 logMAR. Somit wurde ein Visus­ge­winn von 0,05 logMAR erzielt. Sechs Pati­en­ten (25%) wiesen einen Visus­ge­winn von mindes­tens 0,2 logMAR auf. Der Lese­vi­sus verbes­ser­te sich von 0,4 logMAR auf 0,3 logMAR.

Die erreich­ten Visus­er­geb­nis­se blie­ben neun Monate nach Okklu­si­ons­the­ra­pie stabil. Der Visus­ge­winn nach 18 Wochen refrak­ti­ver Adap­t­ati­on bei notwen­di­ger Refrak­ti­ons­kor­rek­tur lag bei 0,05 logMAR. Der Visus­ge­winnn durch einfa­che Korrek­tur des Refrak­ti­ons­feh­lers lag bei 0,25 logMAR.

Insge­samt war aller­dings die Compli­an­ce der Pati­en­ten eher gering. Insge­samt lag die Compli­an­ce ledig­lich bei 17 Prozent. Nur fünf von 22 Pati­en­ten (23%) wiesen eine akzep­ta­ble Compli­an­ce mit mindes­tens zu 50 Prozent durch­ge­führ­ter Okklu­si­on auf. Bei Pati­en­ten mit guter Compli­an­ce wurde eine signi­fi­kant besse­re Visus­stei­ge­rung erreicht.

Es muss somit davon ausge­gan­gen werden, dass im Erwach­se­nen­al­ter die Durch­füh­rung einer Okklu­si­ons­the­ra­pie deut­lich heraus­for­dern­der ist als bei Kindern, so die Autoren. Haupt­grund für ein Versa­gen der Thera­pie ist auch hier eine fehlen­de Compli­an­ce mit nicht ausrei­chen­der Okklusionsdauer.

Nur einige wenige Pati­en­ten mit akzep­ta­bler Compli­an­ce zur Okklu­si­ons­the­ra­pie zeig­ten in der vorlie­gen­den Studie eine gerin­ge, aber signi­fi­kan­te Verbes­se­rung der Sehschär­fe. Der größte Behand­lungs­er­folg wurde aller­dings durch Korrek­ti­on vorhan­de­ner Refrak­ti­ons­feh­ler mit nach­fol­gen­der refrak­ti­ver Adap­t­ati­on erreicht.

(ak)

Autoren: Simonsz-Tóth B et al.
Korrespondenz: Department of Ophthalmology, Haaglanden Medical Centre, The Hague, The Netherlands. btoth@bluewin.ch
Studie: Refractive adaptation and efficacy of occlusion therapy in untreated amblyopic patients aged 12 to 40 years.
Quelle: Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2019 Feb;257(2):379-389.
Web: https://doi.org/10.1007/s00417-018-4170-y

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