Alters­ab­hän­gi­ge Makuladegeneration

Lebensstilfaktoren beeinflussen stark das genetische Risiko 

4. Dezember 2020

ROTTERDAM (Bier­mann) – Die alters­ab­hän­gi­ge Maku­la­de­ge­ne­ra­ti­on (AMD) ist eine multi­fak­to­ri­el­le Erkran­kung bei älte­ren Menschen mit einer wich­ti­gen gene­ti­schen Kompo­nen­te. Viele Risi­ko­va­ri­an­ten wurden inzwi­schen iden­ti­fi­ziert, die Inter­pre­ta­ti­on ist jedoch noch immer schwie­rig. Im Rahmen des EYE-RISK-Konsor­ti­ums wurde die gene­ti­sche Vertei­lung AMD-asso­zi­ier­ter Risi­ko­va­ri­an­ten in einer großen euro­päi­schen Bevöl­ke­rungs­grup­pe unter­sucht. Die Studi­en­au­toren berech­ne­ten die gene­ti­schen Risi­ken und bewer­te­ten den Einfluss des Lebens­stils auf die gene­ti­schen Outco­mes. Sie fanden heraus: In den meis­ten Fällen tragen gene­ti­sche Risi­ko­va­ri­an­ten zur späten AMD bei. Lebens­stil­fak­to­ren beein­flus­sen das gene­ti­sche Risiko jedoch stark und soll­ten daher im Fokus des Pati­en­ten­ma­nage­ments sein, so das Fazit der Autoren.

Für ihre gepool­te Analy­se verwen­de­ten die Ophthal­mo­lo­gen die Daten des E3-Konsor­ti­ums. Einge­schlos­sen wurden 17.174 Perso­nen ab 45 Jahren, die an 6 Kohor­ten­stu­di­en, 2 Kran­ken­haus­stu­di­en bzw. 1 Fall-Kontroll-Studie teil­ge­nom­men hatten. Eine AMD wurde anhand von Fundus­fo­tos diagnos­ti­ziert und bewer­tet. Daten zu Gene­tik, Lebens­stil und Ernäh­rung wurden verein­heit­licht und erfor­der­li­chen­falls ergänzt.

Gering­fü­gi­ge Allel­fre­quen­zen und der bevöl­ke­rungs­be­zo­ge­ne Anteil („popu­la­ti­on attri­bu­ta­ble frac­tion“, PAF) wurden pro Einzel­nu­kleo­tid-Poly­mor­phis­mus (SNP) berech­net. Es wurde ein gene­ti­scher Gesamt­ri­si­ko-Score und Pathway-spezi­fi­scher Risiko-Scores (Komple­ment, Lipid, extra­zel­lu­lä­re Matrix usw.) sowie ein Lebens­stil-Score basie­rend auf Rauchen und Nahrungs­auf­nah­me erstellt.

Die Risi­ko­va­ri­an­ten mit dem größ­ten Unter­schied zwischen den späten AMD-Fällen und den Kontrol­len und den höchs­ten PAFs waren im ARMS2-Gen („age-rela­ted maculo­pa­thy suscep­ti­bi­li­ty 2“, rs3750846) und CHF-Gen („comple­ment factor H“, rs570618 und rs10922109) loka­li­siert. Sowohl das Risiko stei­gern­de als auch protek­ti­ve Vari­an­ten wiesen die höchs­ten PAFs auf. Bei der Kombi­na­ti­on aller gene­ti­schen Vari­an­ten lag der gene­ti­sche Gesamt­ri­si­ko-Score zwischen –3,50 und 4,63, war normal verteilt und stieg mit dem Schwe­re­grad der AMD an.

Von den späten AMD-Fällen hatten 1.581/1.777 (89%) einen posi­ti­ven Gesamt­ri­si­ko-Score. Der Komple­ment- und ARMS2-Signal­weg waren bei weitem die wich­tigs­ten gene­ti­schen Signal­we­ge, die zur späten AMD beitru­gen (posi­ti­ver Gesamt­ri­si­ko-Score bei 90% der späten Fälle). Die gene­ti­schen Risi­ken in ARMS2 und im Komple­ment­weg waren jedoch meist mit Risi­ken in ande­ren Pathways kombi­niert. Ein Risiko in drei Pathways war am häufigs­ten (35% der späten Fälle). Der Lebens­stil war eine starke Deter­mi­nan­te für das Ergeb­nis in jeder gene­ti­schen Risi­ko­ka­te­go­rie. Ein ungüns­ti­ger Lebens­stil erhöh­te das Risiko einer späten AMD mindes­tens um das Doppelte.

(isch)

Autoren: Colijn JM et al.
Korrespondenz: Caroline C.W. Klaver; c.c.w.klaver@erasmusmc.nl.
Studie: Genetic risk, lifestyle, and AMD in Europe. The EYE-RISK consortium
Quelle: Ophthalmology 2020 Nov 27:S0161-6420(20)31119-2.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.11.024

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