Alters­ab­hän­gi­ge Makuladegeneration

Caledonian-Face-Test quantifiziert Auswirkungen auf die Gesichtswahrnehmung

23. Juni 2020

GLASGOW (Bier­mann) – Pati­en­ten mit alters­ab­hän­gi­ger Maku­la­de­ge­ne­ra­ti­on (AMD) haben Schwie­rig­kei­ten, zwischen Gesich­tern zu unter­schei­den. Briti­sche Wissen­schaft­ler wende­ten nun den Cale­do­ni­an-Face-Test an, um die Auswir­kun­gen der AMD auf die Gesichts­wahr­neh­mung zu quan­ti­fi­zie­ren. Dabei stell­ten sie fest, dass sowohl die trocke­ne als auch die feuch­te AMD signi­fi­kant die Sensi­ti­vi­tät bei der Erken­nung ganzer Gesich­ter sowie derer Kompo­nen­ten wie Nase, Mund und Augen redu­zie­ren. Die Distanz­seh­schär­fe und Kontrast­emp­find­lich­keit sind eng mit der Sensi­ti­vi­tät der Gesichts­un­ter­schei­dung verbun­den. Die Ergeb­nis­se quan­ti­fi­zie­ren das Ausmaß der Sensi­ti­vi­täts­be­ein­träch­ti­gung bei Pati­en­ten mit AMD und sagen bestimm­te Schwie­rig­kei­ten bei alltäg­li­chen Aufga­ben voraus, die auf inne­ren Merk­mals­in­for­ma­tio­nen beru­hen, einschließ­lich der Erken­nung bekann­ter Gesich­ter und Gesichts­aus­drü­cke, so das Resü­mee der Wissenschaftler.

Der Cale­do­ni­an-Face-Test verwen­det ein adap­ti­ves Verfah­ren zur Schwel­len­mes­sung von Gesichts­un­ter­schei­dun­gen: die mini­ma­le Diffe­renz, die zwischen Gesich­tern für eine zuver­läs­si­ge Unter­schei­dung erfor­der­lich ist. Die Diskri­mi­nie­rungs­schwel­len wurden in der Unter­su­chung für Voll­ge­sich­ter, äußere Merk­ma­le (Kopf­form und Haar­an­satz), innere Merk­ma­le (Nase, Mund, Augen und Augen­brau­en) und Formen (Non-Face-Aufga­be) gemes­sen. Proban­den waren 20 Pati­en­ten mit trocke­ner AMD (logMAR VA=0,14 bis 0,62), 20 Pati­en­ten mit feuch­ter AMD (0,10 bis 0,60) und 20 im Alter vergleich­ba­re Kontroll­per­so­nen (–0,18 bis +0,06).

Im Vergleich zu den Kontroll­per­so­nen waren die Schwel­len­wer­te für die Full-Face-Unter­schei­dung bei den Proban­den mit trocke­ner bzw. feuch­ter AMD im Durch­schnitt 1,76- bzw. 1,73-mal schlech­ter. Eine AMD redu­zier­te auch die Sensi­ti­vi­tät gegen­über Gesichts­merk­ma­len, aber die Unter­schei­dung der inne­ren im Vergleich zu äuße­ren Merk­ma­len war über­pro­por­tio­nal beein­träch­tigt. Sowohl die Distanz­seh­schär­fe als auch die Kontrast­emp­find­lich­keit waren signi­fi­kan­te unab­hän­gi­ge Prädik­to­ren für die Schwel­len der Full-Face-Unter­schei­dung (R2=0,66). Die Sensi­ti­vi­tät gegen­über Voll­ge­sich­tern nahm um einen Faktor von unge­fähr 1,19 pro 0,1 logMAR-Reduk­ti­on der Sehschär­fe ab.

(isch)

Autoren: Logan AJ et al.
Korrespondenz: Andrew J. Logan; Andrew.Logan@gcu.ac.uk
Studie: The Effect of Age-Related Macular Degeneration on Components of Face Perception
Quelle: Invest Ophthalmol Vis Sci 2020;61(6):38.
Web: https://doi.org/10.1167/iovs.61.6.38

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