Akute reti­na­le Nekrose

Immunantwort spielt eine entscheidende Rolle

10. August 2021

ATLANTA (Bier­mann) – Eine aktu­el­le Studie hat gezeigt, dass die immu­no­lo­gi­schen Befun­de bei akuter reti­na­ler Nekro­se (ARN) haupt­säch­lich lympho­zy­tä­ren Ursprungs sind, obwohl auch Histio­zy­ten, Makro­pha­gen sowie neutro­phi­le Granu­lo­zy­ten nach­weis­bar sind. Laut den Autoren legt dies nahe, dass sowohl die ange­bo­re­ne als auch die erwor­be­ne Immun­ab­wehr für die klini­schen Krank­heits­be­fun­de verant­wort­lich sein könnten.

Die Wissen­schaft­ler nahmen 12 Pati­en­ten (14 Augen) mit ARN, die aufgrund einer Abla­tio zwischen 2011 und 2019 im Emory Eye Center in Atlan­ta (Geor­gia, USA) mit einer Pars-plana-Vitrek­to­mie (ppV) versorgt worden waren, in das Review auf. Die Arbeits­grup­pe analy­sier­te zytopa­tho­lo­gi­sche Befun­de und immun­histo­che­mi­sche Anfär­bun­gen der Glas­kör­per­bio­p­sa­te, demo­gra­fi­sche Daten zu den Pati­en­ten, Labor­tests einschließ­lich der Poly­me­ra­se­ket­ten­re­ak­ti­on (PCR) von vira­len Patho­ge­nen aus Kammer­was­ser­punk­ta­ten sowie klini­sche Infor­ma­tio­nen zu intra­vit­rea­len Injektionen.

Die Forscher ermit­tel­ten Herpes-Simplex-Virus(HSV)-DNA (10 Augen; 71%) und Varizella-Zoster-Virus(VZV)-DNA (4 Augen; 29%). Alle Augen erhiel­ten intra­vit­rea­le Injek­tio­nen mit Ganci­clo­vir oder Foscar­net, im Mittel 8,5 Injek­tio­nen pro Auge. Die ppV erfolg­te aufgrund einer Trak­ti­ons­a­mo­tio (14 Augen; 100%), einer rheg­ma­to­ge­nen Abla­tio (8 Fälle; 57%) sowie Glaskörperblutungen/Glaskörperinfiltrate (jeweils 4 Augen; 29%).

Zytopa­tho­lo­gisch fanden die Exper­ten bei 10 Augen (71%) Lympho­zy­ten­po­pu­la­tio­nen (bei 2 Pati­en­ten ein Vorherr­schen von CD3+-T-Zellen nach immun­histo­che­mi­scher Anfär­bung von CD3+ und CD20+ für T- und B‑Zellpopulationen). Darüber hinaus zeig­ten sich Makro­pha­gen und Histio­zy­ten (11 Augen; 79%) sowie neutro­phi­le Granu­lo­zy­ten (4 Fälle; 29%).

Die Sehschär­fe der Pati­en­ten verbes­ser­te sich wenig, von 2,5 (IQR 2,0–3,0) auf 1,8 (IQR 1,2–3,0; p=0,45) nach 12 Mona­ten Follow-up.

Die Autoren resü­mie­ren, dass das varia­ble Anspre­chen der Thera­pie die indi­vi­du­el­len Unter­schie­de der Pati­en­ten in der anti­gen­spe­zi­fi­schen Immun­ant­wort wider­spie­geln könn­ten. Das Verständ­nis der mit ARN verbun­de­nen immu­no­lo­gi­schen Reak­tio­nen könnte wert­vol­le Infor­ma­tio­nen zur Dosie­rung und dem Zeit­punkt der Behand­lung liefern.

(tt)

Autoren: Hojjatie SL et al.
Korrespondenz: Steven Yeh; syeh@unmc.edu
Studie: Cytopathology of Vitreous Specimens in Acute Retinal Necrosis
Quelle: Ocul Immunol Inflamm 2021; Jul 9;1-8.
Web: dx.doi.org/10.1080/09273948.2021.1922926

html

Aus rechtlichen Gründen (Heilmittelwerbegesetz) dürfen wir die Informationen nur an Fachkreise weitergeben.